Hochsensibilität: 8 Bereiche des „Anderssein“

Hast du manchmal das Gefühl irgendwie „anders“ zu sein? In diesem Beitrag erfährst du 8 typische Bereiche, in denen Hochsensible sich oft von der Masse unterscheiden.

Bereiche an denen du dein Anderssein erkennst

  • EMPATHIE – Fällt es dir leicht, dich in andere einzufühlen?

    Leise, sensible Personen haben eine unglaublich wertvolle Eigenschaft – sie können sich leicht in andere Menschen einfühlen und spüren, wie es dem anderen gerade geht. Allerdings können Hochsensible auch schnell – ohne es zu wollen – in die Gefühlslage des anderen rutschen. Das kann dazu führen, dass sie nicht nur mitfühlen, sondern sogar mitleiden. In Konfliktsituationen grübeln sie lange über das Gesagte nach und können sich emotional schwer davon lösen.

    Die Themen Empathie & emotionale Abgrenzung sind auch für mich als hochsensibler Coach wichtige Bereiche. Es geht für mich bei der Arbeit mit meinen Klientinnen immer darum, eine Balance zu finden zwischen „Beim Gegenüber zu sein“ und „Bei mir zu sein“. Ich habe die Fähigkeit, schnell mit meinem Gesprächspartner emotional „mitzuschwingen“. So fällt es mir leicht, die aktuelle Gefühlslage der Klientin relativ rasch zu erfassen und sie dort abzuholen, wo sie gerade steht. Nur so ist es möglich, an die Kernpunkte ihres Themas heranzukommen. Auf der anderen Seite habe ich gelernt, in besonders berührenden Sitzungen – trotz aller Empathie – immer wieder „zu mir zurückzukommen“ um einen professionellen Abstand zu wahren. Denn nur mit einer objektiven inneren Haltung ist es möglich, neue Perspektiven zu erkennen und neue Lösungen zu finden.

     

  • KONFLIKTE – Hast du ein starkes Bedürfnis nach Harmonie?

    Leise, sensible Personen brauchen viel Harmonie und versuchen daher Konflikte und Auseinandersetzungen wo es nur geht zu vermeiden. Mit Menschen die sie mögen, oder auch mit Fremden oder dominant auftretenden Menschen in Streit zu geraten und lautstark zu diskutieren ist das Letzte, was sie sich wünschen. Daher ziehen sie sich in solchen Situationen oft zurück und nehmen dafür sogar in kauf, dass ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstehen.

    Ich selbst bin lange Zeit Konflikten aus dem Weg gegangen und war immer darauf bedacht, nirgendwo anzuecken. Doch ich erkannte irgendwann: vor lauter Versuchen, es anderen recht zu machen, hatte ich mich im Grunde selbst im Stich gelassen. Jedes Mal wieder. Und wenn das der Preis ist, ist er zu teuer!

     

  • ALLEINSEIN – Fühlst du dich mit dir allein wohl?

    Nur wenige Menschen können nachvollziehen, wie sehr leise, sensible Personen es lieben, allein zu sein. Ganz für sich. In Ruhe den eigenen Gedanken nachzuhängen.

    Ich mag es durchaus, mich mit anderen Menschen zu umgeben. Allerdings alles in einem gewissen Maß und dem richtigen Timing. Im Gegenzug liebe ich ruhige Spaziergänge in der Natur. Ich brauchte in diesen Momenten das Alleinsein um neue Kraft zu tanken. Oft stoßen leise, sensible Personen mit ihrem Bedürfnis nach Alleinsein jedoch bei meinem Umfeld damit auf Unverständnis. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass es einen Unterschied zwischen dem Alleinsein und dem Gefühl der Einsamkeit gibt. Für viele sind die beiden Begriffe deckungsgleich. Aber eben nicht für die leisen Sensiblen.

     

  • GRÜBELN – Steht dein Gedankenkarussell nur selten still?

    Leise, sensible Personen tendieren dazu, alles zu hinterfragen und in der Tiefe verstehen zu wollen. Im Innern suchen sie permanent nach Antworten oder passenden Lösungen. Dadurch steht ihr Gedankenkarussell selten still. Alles wird durchdacht. Das hochsensible Gehirn versucht alle neuen Informationen in eine Struktur zu packen. Mit dem Ziel, Ordnung zu schaffen. Nur selten werden die Dinge einfach so stehen gelassen wie sie sind. Alles wird auf den Prüfstand gestellt, solange bis es einen erklärbaren Grund gibt. Für Hochsensible ist dieses ständig drehende Gedankenkarussell verdammt anstrengend. Sie können es nicht steuern, einen „Aus-Knopf“ gibt es nicht.

    Ich kenne diese Kopflastigkeit sehr gut. Jahrelang habe ich versucht, neue Situationen oder fremde Menschen zu analysieren und einzuordnen. Ich wollte immer genau wissen, woran ich bei dem Gegenüber bin, wer wie tickt und warum. Doch im Grunde hat der kleine Analytiker in mir nicht weiterhelfen können. Denn die Antworten auf all meine Fragen kennt nur das Herz. Vor lauter Gedankenrauschen ist es mir jedoch lange Zeit schwergefallen, die leise Stimme meines Herzens wahrzunehmen. Bis ich dann schließlich vor vielen Jahren das intuitive Malen für mich entdeckt habe. Damit schaffte ich es, dem ständig aktiven Verstand eine Auszeit zu verschaffen und lernte, in mich hineinzuhören und hineinzufühlen.

     

  • UNABHÄNGIGKEIT – Hast du einen starken Freiheitsdrang?

    Die meisten leisen, sensiblen Personen haben ein starkes Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit. Autonomie ist ein Grundbedürfnis des Menschen, doch bei Hochsensiblen ist dies häufig in ausgeprägter Form vorhanden. Es äußert sich jedoch im Alltag auf die unterschiedlichsten Weisen. Dem einen verschafft ein weiter Blick in die Ferne (z. B. nach dem Besteigen eines Berges) bereits ein zufriedenstellendes Gefühl von Freiheit. Andere wiederum haben den Drang in sich, ihr Innerstes individuell ausdrücken oder ihr „eigenes Ding“ zu machen (was Künstlern ja oft nachgesagt wird :-)). Oder im Job: Die einen haben das Bedürfnis sich selbständig zu machen, um alle Freiheiten zu haben. Den anderen reicht es bereits, wenn sie als Angestellte vom Chef in Ruhe gelassen werden und sie in ihrem Fach-Thema frei entscheiden dürfen.

    Ich selbst liebe es, mir die Zeit frei einteilen zu können und nicht getaktet zu sein. Die Möglichkeit zu haben, jederzeit in die Natur zu gehen, mich dort – ohne Zeitdruck – treiben zu lassen, Wolken zu beobachten und die frische Luft einzuatmen, das ist für mich wahre Freiheit.

     

  • OFFENHEIT – Fällt es dir schwer, dich Fremden anzuvertrauen?

    Leise, sensible Personen öffnen sich ihren Mitmenschen erst, wenn sie denjenigen gut einschätzen können. Sich emotional „nackt“ zu machen und sogar öffentlich private Dinge zu posten liegt ihnen fern. Sie brauchen erst das Gefühl von Vertrauen, bevor sie anderen gegenüber etwas von sich preisgeben. Das ist auch einer der Gründe, warum diese Personen meist einen eher kleinen aber feinen Freundeskreis haben. Es dauert eben ein wenig, bis man sich gegenseitig kennengelernt und Vertrauen aufgebaut hat. Aber wenn eine leise, sensible Person jemanden einmal in ihr Herz geschlossen hat, kann sich derjenige ihrer Freundschaft sicher sein.

    Selbst ich als Coach habe eine Weile gebraucht, bis ich mich dafür entschieden habe, in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden. Mittlerweile bin ich in der Lage, etwas Privates in einem Blogartikel, in meinem Buch oder über Social-Media-Kanäle preiszugeben bzw. Fotos von mir hochzuladen. Und trotzdem wird es (trotz aller „Sichtbarkeit“, die mein Herzens-Business mit sich bringt) immer eine klare Grenze zwischen meinem privaten Bereich und der Öffentlichkeit geben. Das brauche ich, um mich wohl zu fühlen.

     

  • PLANUNG – Strengen dich spontane Überraschungen an?

    Leise, sensible Personen fühlen sich am wohlsten, wenn etwas eine gewisse Struktur hat und vorhersehbar ist. Spontane Plan-B-Aktionen oder Überraschungen, welche die eigene Planung über den Haufen werfen, sind für diese Personen meist nur schwer zu ertragen, denn es raubt ihnen viel Kraft. Sie möchten gern die Kontrolle über den Alltag behalten, ohne großes „Neu-Eindenken“ oder „Um-Strukturieren“.

    Ich selbst schätze im beruflichen Umfeld reibungslose Abläufe und nutze dafür gern das strukturierte Planen und Vorausdenken. Das gibt mir die nötige Sicherheit. Im privaten Bereich hingegen liebe ich es, manchmal etwas chaotischer (Ja ich gehöre nicht zu den sehr ordentlichen Hochsensiblen :-))

     

  • PERFEKTION – Bist du sehr selbstkritisch und möchtest alles richtig machen?

    Bei vielen leisen, sensiblen Personen ist der innere Kritiker im Kopf recht laut. Gemeinsam mit seinem Kumpel dem inneren Perfektionisten machen die zwei den Hochsensiblen das Leben oft schwer. Die zwei stellen die Leistung permanent auf den Prüfstand und flüstern ihnen ins Ohr: „Du bist zu langsam“, „ … zu schlecht“, „ … zu dumm“, „ … zu empfindlich“…“, „Die anderen sind besser als du …“ und so weiter. Das kratzt durchaus am Selbstwertgefühl, denn der innere Kampf ist ein ständiger Begleiter – oft, ohne dass er bewusst wahrgenommen wird. Ein Kampf, der nie gewonnen wird, denn er richtet sich gegen einen selbst.

    Doch im Grunde geht es auch gar nicht darum, den Kampf zu gewinnen. Es geht darum, anders damit umzugehen und nicht alles zu glauben, was diese zwei inneren Anteile sagen. In meinem Buch „Selbstvertrauen für leise, sensible Frauen“ zeige ich auf, wie man sich von Selbstzweifeln lösen kann und offenbare darin das perfekte Handwerkszeug. Doch auch ich trage weiterhin einen Kritiker in mir und er wird immer Teil von mir bleiben. So habe ich beispielsweise während ich mein Buch schrieb immer wieder eine leise Stimme in mir gehört, die mich davon abhalten wollte, weiterzuschreiben: „Du kannst doch gar nicht schreiben…“, „Höre besser gleich auf, das bringt doch nichts …“, „Wer soll das denn lesen, interessiert doch eh niemanden …“… und und und. Doch je mehr wir diese selbstkritischen Gedanken bewusst wahrnehmen, desto weniger bestimmen sie unser Leben. Mein Buch ist mittlerweile fertig und hat bereits vielen leisen, sensiblen Frauen geholfen, ihr Vertrauen in sich zu stärken. Ohne meinen Werkzeugkasten, der mir dabei hilft, mit solchen Situationen umzugehen, hätte ich das nie geschafft. Es lohnt sich also, einmal einen neugierigen Blick auf das Innenleben zu werfen.

 

Wenn du mehr zu diesem Thema erfahren möchtest: HIER findest du nähere Informationen dazu.

Selbstvertrauen für leise, sensible Frauen

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